Sprachen im Einzugsgebiet

Die dominierende Sprache in der Surselva (Bündner Oberland) ist das Rumantsch Sursilvan. Das Sursilvan ist dabei das grösste bündnerromanische Idiom, von insgesamt fünf. Gesprochen wird es im Gebiet des Vorderrheintals und in dessen Seitentälern. Nur in den von Walsern besiedelten Gebieten, wie beispielsweise in Obersaxen oder Vals, und in regionalen Zentren wie Flims und Ilanz ist Schweizerdeutsch (Bündnerdeutsch) die mehrheitlich gesprochene Alltagssprache. Die Rätoromaninnen und Rätoromanen sprechen unter sich ihre Muttersprache, sind aber zweisprachig und wechseln für die Kommunikation mit Reisenden und Zuziehenden schnell ins Schweizerdeutsche oder nach Bedarf ins Hochdeutsche.

Als das heutige Graubünden vor gut 2000 Jahren dem Römischen Reich einverleibt wurde, entstand aus der Verschmelzung des Volkslateins der römischen Soldaten, Beamten und Kaufleute und den Ursprachen der Räter, das Rätoromanische. Welchen Ursprung die Kultur der Räter hat, verliert sich im Dunkel der Geschichte. Seit 1938 ist Romanisch die vierte Landessprache der Schweiz, erst durch die eidgenössische Volksabstimmung vom 10. März 1996 erhielt sie aber den Status einer Teilamtssprache.

Die Walser ihrerseits sind eine alemannische Volksgruppe. Im ausgehenden Hochmittelalter besiedelten sie aus dem heutigen Kanton Wallis heraus weitere Alpengebiete, so auch im Kanton Graubünden. Auf einer Länge von rund 300 km im Alpenbogen verteilen sich heute noch rund 150 Walsersiedlungen. Die Nachfahren sprechen vielerorts noch heute einen hochalemannischen Dialekt, das Walserdeutsch.

Die wichtigsten Institutionen der rätoromanischen Sprache wirken in Chur, dem Hauptort des Kantons Graubünden: Die Lia Rumantscha als Dachvereinigung ist hauptverantwortlich für die romanische Sprach- und Kulturförderung. Das Institut Dicziunari Romantsch Grischun seinerseits gibt das enzyklopädisches Gesamtwörterbuch der rätoromanischen Sprache mit Einbezug der Sprach- und Kulturgeschichte heraus.

Trotz diesen Institutionen hat das romanische Sprachgebiet kein eigenes wirtschaftliches und kulturelles Zentrum. Es hat keine Stadt. Und es gibt kein anderes Gebiet der gleichen Sprache in der Schweiz, das unterstützend wirken könnte. Dazu kommen die Abwanderung und die Zerstückelung in fünf Schriftsprachen. Aus diesem Grunde wurde 1982 das Rumantsch Grischun, die vom Sprachwissenschaftler Heinrich Schmid im Auftrag der Lia Rumantscha entwickelte gemeinsame Schriftsprache der Rätoromanen Graubündens, lanciert. Seit 2001 ist Rumantsch Grischun offizielle Amtsschriftsprache im Kanton Graubünden und im Bund für den Verkehr mit der romanischsprachigen Bevölkerung. In den romanischen Gemeinden kann indes nach wie vor auf das jeweilige Idiom als Amtssprache zurückgegriffen werden.

Mehrere frühere Versuche, eine einheitliche Schriftsprache für alle Bündnerromanen zu schaffen, schlugen fehl. Rumantsch Grischun wurde von der Bevölkerung nicht nur freundlich aufgenommen. Viele Bündner, nicht nur Romanen, befürchten, dass eine Kunstsprache zum Totengräber des Romanischen werden könnte. Andere sind optimistischer und verweisen auf das Beispiel der Deutschen Schriftsprache, welcher es auch nicht gelungen ist, die vielfältigen Deutschschweizer Dialekte, wie beispielsweise das Bündnerdeutsch, wesentlich zu beeinflussen.

Literatur:

Alexi Decurtins, Niev Vocabulari Romontsch, Sursilvan-Tudestg, Societad Retorumantscha, Chur 2001

Andrea Schorta, Wie der Berg zu seinem Namen kam, Kleines Rätisches Namenbuch mit zweieinhalbtausend geographischen Namen Graubündens, Terra Grischuna Verlag, 3. Aufl., Chur 1999